Sie liegt nun schon fast ein Jahr zurück, aber die Beobachtung der Walforscher Robert Pitman und John Durban ist so spektakulär, dass es sich lohnt, sie auch heute noch zu erzählen.

(Foto: Susanne Gugeler)
Im Januar reisten die beiden Forscher in die Antarktis, um dort Schwertwale mit Sendern auszurüsten und zu beobachten. Im Visier hatten sie eine bestimmte Gruppe, deren Jagdtechnik sie dokumentieren wollten. Die großen Meeressäuger, die zur Familie der Delfine gehören, erzeugen dabei eine große Welle, die eine Eisscholle heben kann und die darauf geflüchteten Robben ins Meer spült. So kommen die Schwertwale (auch Orcas genannt) leicht an ihre Beute.
Pitman und Durban entdeckten eines Morgens zehn Orcas, in deren Mitte zwei Buckelwale schwammen. Da die Orcas sehr unruhig waren – sie schlugen mit der Fluke aufs Wasser und gaben laute Töne von sich -, dachten die Männer zunächst, sie würden einen Angriff auf die bis zu 17 langen Bartenwale vorbereiten. Die Forscher filmten die ungleiche Gruppe und stellten später beim Sichten des Materials Erstaunliches fest: Zwischen den beiden Buckelwalen schwamm eine Weddellrobbe …
Die Schwertwale suchten sich eine neue Beute, die sie auch nach wenigen Minuten fanden. Sie hatten es dieses Mal auf eine Krabbenfresserrobbe abgesehen, die auf einer Eisscholle lag. Sie erzeugten eine Welle, welche die Robbe in große Bedrängnis brachte. In dem Moment, als die Orcas zum letzten Angriff starten wollten, tauchten plötzlich die beiden Buckelwale wieder auf. Sie umschwammen die Eisscholle, auf der die Robbe kauerte, und gaben offenbar bellende Geräusche von sich. Außerdem schlugen sie mit den Flossen wild aufs Wasser. Die Schwertwale waren so beeindruckt, dass sie von der Robbe abließen und davonschwammen.
Eine Woche später wurden die Forscher Zeugen eines noch unvorstellbareren Ereignisses. Eine Weddellrobbe war von Schwertwalen ins Wasser geschwemmt worden und floh in Richtung zweier Buckelwale. Als sie den ersten Buckelwal erreicht hatte, drehte sich dieser auf den Rücken und nahm das Pelztier auf seine Brust. Als sich die Orcas näherten, stützte der Buckelwal die Robbe mit seiner Brustflosse, damit das Tier nicht abrutschte.
Bob Pitman und John Durban nehmen an, dass es sich bei diesem außergewöhnlichen Verhalten um ein “allomaternal care” handelt – eine Zuwendung, die sich nicht nur auf die eigenen Nachkommen bezieht und die manche weibliche Tiere zeigen.
(Quelle: www.cetacea.de)
